Während vor einigen Jahren die Kastration der Hündin noch als unproblematisch galt, mehren sich mittlerweile Erkenntnis über mögliche Nachteile dieser Operation. Wann eine Kastration dennoch sinnvoll ist erfahren Sie im folgenden.

Vorteile der Kastration bei der Hündin

Eine Kastration verhindert die ungewollte Vermehrung zuverlässig. Vor allem in Haushalten, in denen ein unkastrierter Rüde mit Hündinnen zusammen lebt, kann eine Kastration zu einer entspannteren Hausgemeinschaft beitragen.

Nach Entfernung der Eierstöcke bleibt die Läufigkeitsblutung der Hündin aus, auch wenn die Gebärmutter nicht mit entfernt wurde. Durch die Entnahme des hormonbildenden Gewebes kommt es nicht mehr zu Scheinträchtigkeiten mit Milchfluss und Verhaltensänderungen.

Hündinnen, die vor der 2. Läufigkeit kastriert werden haben ein stark gesenktes Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken. Tumore an Gebärmutter, Scheide und Eierstöcken kommen nicht mehr vor. 

Die Lebenserwartung einer Hündin steigt durch eine Kastration geringfügig an.

 

 

Nachteile der Kastration bei der Hündin

Die potentiellen Nachteile sollten immer kritisch gegenüber den Vorteile abgewogen werden. Nicht jeder der hier aufgelisteten Nachteile betrifft jede Hunderasse in gleichem Maße. Eine fachlich fundierte Einschätzung kann nur ein Tierarzt geben, der Sie und Ihren Hund kennt. 

Die möglichen Nachteile sind im Folgenden in Kürze aufgeführt. 

Tumore

Kastrierte Hündinnen leiden mehr als 5 mal häufiger an Tumoren des Herzens (vor allem Tumore, die vom Blutgefäßsystem ausgehen) im Vergleich zu intakten Hündinnen. (1) 

Bei großwachsigen Rassen verdoppelt sich durch die Kastration das Risiko für bösartige Knochentumore. (2)

Beim Deutschen Schäferhund konnte hingegen keine erhöhte Tumorneigung nachgewiesen werden. (3)

Bei weiblichen Golden Retrievern führt eine Kastration, unabhängig von ihrem Zeitpunkt, zu einem 3-4-fach erhöhten Tumorrisiko. Es scheint, dass gerade weibliche Golden Retriever besonders empfindlich auf das Fehlen von Sexualhormonen reagieren und in dessen Folge zu Entartungen neigen. (4)

Abnormale Knochenentwicklung

Golden Retriever, die vor dem vollendeten ersten Lebensjahr kastriert werden, werden größer als ihre intakten Geschwister. Dieser Umstand mag nicht problematisch erscheinen. Doch dabei schließen sich die Wachstumsfugen der Knochen verspätet. Dies kann zu einer unproportionierten Körperform führen, in dessen Folgen auch Gelenkerkrankungen entstehen können. (5)

Kreuzbandrisse

Bei Hündinnen der Rasse Deutscher Schäferhund, die vor dem vollendeten ersten Lebensjahr kastriert wurden, zeigte sich in 3 mal mehr Fällen ein Riss des Kreuzbandes. (6)

Harninkontinenz

Harninkontinenz kann sich infolge der Kastration bei Hündinnen im Laufe der Zeit entwickeln (ca. 5%). Dabei scheint auch das Alter zum Zeitpunkt der Kastration entscheidend zu sein. Dieser Nebenwirkung scheint häufiger aufzutreten, wenn Hündinnen vor dem vollendeten ersten Lebensjahr kastriert werden. (7)

Durch den Wegfall der Geschlechtshormone werden bestimmte Nervensignale nicht mehr richtig übersetzt, der Blasenschließmuskel erschlaff Zunehmens und es kommt zum Harntröpfeln. Vor allem Hunde über 20kg sind davon betroffen. Besonders häufig gehören sie den Rassen Boxer, Dobermann, Riesenschnautzer, Rottweiler und Bobtail an. Die Harninkontinenz kann in den meisten Fällen durch Medikamente gut behandelt werden. Diese Behandlung muss jedoch lebenslang erfolgen.

Langlebigkeit

Auch wenn für die Gesamtheit aller Hunde eine leicht erhöhte Lebenszeit durch Kastration zu verzeichnen ist, so zeigt eine Rasse eine nachweisbare Reduktion.

Bei weiblichen Rottweilern, die vor dem vollendeten 4. Lebensjahr kastriert wurden reduzierte sich die Lebenszeit um 30%. Weibliche Rottweiler, die intakt blieben erreichten mit einer 9-fach höheren Wahrscheinlichkeit ein Alter über 13 Jahren. (8)

Schilddrüsenunterfunktion

Die Kastration konnte als eines der Hauptrisiken für die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion belegt werden. Diese Ergebnisse sind nicht verwunderlich, entfernt man dem Hund doch eine Hormondrüse. (9)

 

Fellveränderung

Diese Fellveränderungen werden auch gern als Welpenfell bezeichnet. Ein Mangel an Geschlechtshormonen kann (vor allem bei Hündinnen) zu einem Vermehrten Wachstum der Unterwolle führen. Das Fell lässt sich schlecht pflegen und ist anfällig für Nässe. Vom sogenannten Welpenfell sind vor allem Tiere der Rassen Langhaardackel, Irish Setter und Cocker Spaniel betroffen. In sehr seltenen Fällen kann es zum Haarausfall in der Flankengegend kommen.

Übergewicht

Die Kastration senkt den Energiebedarf um etwa 30-40%, während der Nährstoffbedarf nahezu gleich bleibt. Wir empfehlen Ihnen daher zur Vorbeugung auf ein Futter umzustellen, dass zugleich eine hohe Nährstoffdichte besitzt und eine geringe Kaloriendichte. Wir beraten Sie gern zur optimalen Fütterung nach einer Kastration (unabhängig von ihrer Fütterungsart). 

Wesensveränderung

Einige Tiere werden nach der Kastration ängstlicher oder vorsichtiger, dies betrifft vor allem Tiere, die schon vor der Operation ängstlich waren. Vor allem bei Hündinnen kann es nach der Kastration zu gesteigerter Aggressivität kommen. Diese Art von Aggressivität entzieht sich in der Regel jeglichen Erziehungsmaßnahmen und ist fast nicht zu therapieren. Eine Kastration sollte daher bei "Angstbeißern" oder Hündinnen mit übersteigertem Dominanzverhalten eher nicht vorgenommen werden. 

 

 

 

Das richtige Alter für die Kastration

Wir empfehlen Hündinnen, wenn gewünscht nach der ersten Läufigkeit zu kastrieren. Die Kastration vor der ersten Läufigkeit geht mit einem stark reduzierten Gesäugetumorrisiko einher, jedoch auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Gelenkserkrankungen. Hündinnen, die vor der Pubertät kastriert werden bleiben in ihrem Verhalten sehr welpenhaft.

Je nach Rasse, beziehungsweise Größe sollte für jeden Hund ein individueller Kastrationszeitpunkt festgelegt werden. Wir beraten Sie in allen Fragen rund um die Kastration ihres Hundes

Der richtige Zeitpunkt nach einer Läufigkeit ist 3 Monate nach Beginn der Blutung. In dieser Zeit befindet sich die Hündin in der hormonellen Ruhephase, welche mit dem geringsten Operationsrisiko einhergeht. 

 

 

Wann werden Hunde geschlechtsreif?

Die erste Läufigkeit setzt Hündinnen ab dem 6.-12. Lebensmonat ein. Genauer gesagt wird eine Hündin genau dann läufig, wenn sie etwa 70% ihres genetischen Zielgewichts erreicht hat. Bei kleinen Hunderasse ist dieser Zeitpunkt etwas früher, zwischen dem 6.-10. Lebensmonat und bei Riesenrasse auch schonmal zwischen dem 18.-24. Lebensmonat. Die Blutung tritt ab da ein- bis zweimal jährlich auf.

 

 

Alternativen zur Kastration

Bei Hündinnen kann die Läufigkeit mit einem entsprechenden Präparat unterdrückt werden. Dieses Präparat erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit für bösartige Gesäugetumore. Wir raten, wenn möglich von dieser Behandlung ab.

Der für Rüden zugelassene Hormonchip zur hormonellen Kastration kann unter bestimmten Umständen auch bei der Hündin Einsatz finden. Über die spezifischen Risiken dieser Methode beraten wir Sie bei Bedarf gern persönlich. 

 

 

 

Ablauf der Kastration einer Hündin

Am Tag der Kastration bringen Sie Ihre Hündin morgens gegen 8 Uhr in unsere Praxis. Wir führen die Narkoseeinleitung in unserem Operationstrakt durch. Dort können wir die optimale Versorgung für Ihren Hund gewährleisten, denn vor allem Narkoseein- und -ausleitung sind mit erhöhten Risiken für den Patienten behaftet. Nur in Ausnahmefällen führen wir die Narkoseeinleitung im Beisein der Besitzer durch (zum Beispiel bei sehr ängstlichen oder aggressiven Patienten). 

Grundsätzlich verwenden wir für unsere Patienten eine Inhalationsnarkose. Diese Narkoseform gilt als besonders schonend und kann je nach Bedarf des einzelnen Hundes angepasst werden. Zudem verwenden wir moderne Narkosemonitoringsysteme zur Überwachung der Narkosetiefe und des Narkoseverlaufs. 

Die Entnahme der Eierstöcke und gegebenenfalls auch der Gebärmutter, erfolgt über einen kleinen Schnitt in der Mitte des Bauches. Die Entnahme der Gebärmutter ist nicht in allen Fällen sinnvoll. Durch ihre Entfernung verlängert sich die Bauchwunde und die Operationszeit, was zu einem (wenn auch geringen, aber) erhöhtem Operationsrisiko beiträgt. Wir entfernen die Gebärmutter daher nur bei offensichtlichen Veränderungen, bei älteren Hündinnen oder auf Wunsch der Hundehalter. 

Nach der Operation wird Ihre Hündin bei uns überwacht bis sie wieder selbständig laufen kann. Tödliche Narkosekomplikationen entstehen statistisch häufiger in der postoperativen Phase, das heißt in den ersten 1-4 Stunden nach einer Operation. Wir behalten Ihren Hund daher noch einige Zeit nach Ende der Operation bei uns um im Notfall eingreifen zu können. Schon während der Operation erhält ihre Hündin ein Schmerzmittel, dass 24 Stunden anhält. Ab dem nächsten Tag können Sie das Medikament in Form einer Tablette oder als Saft Zuhause verabreichen. 

Gegen späten Nachmittag können Sie Ihre Hündin wieder abholen. Wir empfehlen am Operationstag kein Futter mehr anzubieten. Wasser kann nach der Entlassung ohne weiteres angeboten werden. 

Nachsorge der Kastrationswunde

In den nächsten 1-2 Tagen sollten Sie die Spaziergänge auf ein Minimum beschränken. Wir möchten nach 2-3 Tagen die Wunde noch einmal kontrollieren und sehen ob es ihrer Hündin den Umständen entsprechend gut geht und die Heilung erwartungsgemäß verläuft. Noch für weitere 14 Tage sollte der Hund an einer kurzen Leine geführt werden, um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten. Unter keinen Umständen darf der Hund die Operationswunde belecken. Wir geben Ihnen zur Sicherheit einen speziellen Body mit (auf Wunsch können Sie auch einen Halskragen erhalten). Soweit die Wunde komplikationslos verheilt können nach 10 Tagen die Hautfäden gezogen werden. Die inneren Fäden sind selbstauflösend. 

Sie sollten einen Tierarzt aufsuchen, wenn…

  • Die Wunde gerötet erscheint 
  • Die Wunde geschwollen erschein 
  • Sich an der Wunde Wundflüssigkeit oder Eiter sammelt 
  • Bei Blutungen 
  • Bei fehlenden Nähten  

 

 

 

Wo liegt der Unterschied zu einer Sterilisation?

Bei der Sterilisation einer Hündin wird nur der Eileiter durchtrennt. Die Hündin wird dadurch zeugungsunfähig. Die Läufigkeitsblutung und damit verbundene Krankheitsrisiken bleiben bestehen. Die Operation ist ähnlich aufwändig wie eine Kastration und wird daher so gut wie nie durchgeführt. 

 

 

Kosten einer Kastration

Die Kosten für die Kastration einer Hündin liegen zwischen 400€-550€ (im Einzelfall auch höher) . Je nach individuellem Bedarf können zusätzliche Kosten entstehen. Der Preis einer Operation richtet sich nach den notwendigen Maßnahmen, die der individuelle Patient benötigt. Eine junge, sonst gesunde Hündin hat ein sehr geringes Narkoserisiko und bedarf daher zum Beispiel weniger Voruntersuchungen.

Nur nach Einschätzung des Narkoserisikos und Kenntnis von individuellen Vorerkrankungen können wir Ihnen einen genaueren Kostenvoranschlag erstellen. Vereinbaren Sie einen Termin mit uns

Die Kosten für eine Kastration hängen auch von der verwendeten Methode ab. Die Kastration mittels Endoskop ist beispielsweise teurer als eine konservative Kastrationsmethode. Zudem kostet eine Operation aufgrund von krankhaften Veränderungen ebenfalls mehr (weil sie schwieriger und aufwändiger ist), so wie auch Operationen während des Notdienstes kostenintensiver sind.

Autor: Tierärztin Frau Korte