Warum sind Vorsorgeuntersuchungen bei Katzen wichtig?
Katzen verbergen Schmerzen und Krankheiten oft sehr lange. Viele Erkrankungen entwickeln sich schleichend und bleiben für Katzenhalter zunächst unbemerkt.
Zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen gehören:
• Chronische Nierenerkrankung
• Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
• Bluthochdruck
• Zahnerkrankungen
• Diabetes mellitus
Regelmäßige Gesundheitschecks ermöglichen eine frühzeitige Diagnose und Behandlung, bevor irreversible Schäden entstehen können [1–3].
Wie oft sollte eine Katze zur Vorsorgeuntersuchung?
Katzen bis 7 Jahre
Für gesunde erwachsene Katzen empfehlen Experten mindestens eine Vorsorgeuntersuchung pro Jahr.
Dabei werden unter anderem kontrolliert:
- Allgemeiner Gesundheitszustand
- Gewicht und Ernährungszustand
- Herz und Kreislauf
- Zähne und Maulhöhle
- Haut und Fell
- Impfstatus bzw. Infektions-Risikoanalyse
Katzen von 7 bis 10 Jahren
Ab etwa sieben Jahren steigt das Risiko für altersbedingte Erkrankungen deutlich an.
Zusätzlich zur klinischen Untersuchung empfehlen wir:
- Blutuntersuchung
- Urinuntersuchung
- Blutdruckmessung
- Ophthalmoskopie (Augenhintergrunduntersuchung)
Katzen ab 10 Jahren
Seniorenkatzen sollten idealerweise alle sechs Monate untersucht werden.
Viele Erkrankungen entwickeln sich bei älteren Katzen innerhalb weniger Monate. Halbjährliche Kontrollen ermöglichen eine deutlich frühere Diagnose.
Was wird bei einer Vorsorgeuntersuchung untersucht?
Klinische Allgemeinuntersuchung
Die körperliche Untersuchung bildet die Grundlage jeder Vorsorge.
Dabei beurteilen wir:
- Herz und Atmung
- Augen und Ohren
- Haut und Fell
- Lymphknoten
- Bewegungsapparat
- Bauchorgane
- Körpergewicht
Bereits kleine Veränderungen können wichtige Hinweise auf Erkrankungen liefern.
Warum ist die Gewichtskontrolle so wichtig?
Gewichtsverlust gehört zu den frühesten Anzeichen vieler Erkrankungen.
Mögliche Ursachen sind:
- Niereninsuffizienz
- Hyperthyreose
- Diabetes mellitus
- Chronische Darmerkrankungen
- Tumorerkrankungen
Auch Übergewicht stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und begünstigt Diabetes, Arthrose und andere chronische Erkrankungen [2].
Zahnkontrolle bei Katzen
Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen erwachsener Katzen.
Besonders häufig finden wir:
- Zahnstein
- Gingivitis
- Parodontitis
- Zahnresorptionen (FORL)
Viele betroffene Katzen fressen trotz erheblicher Schmerzen weiterhin normal. Regelmäßige Zahnkontrollen verbessern daher nicht nur die Zahngesundheit, sondern auch die Lebensqualität erheblich. Zahnschmerzen beeinträchtigen meist nicht den Appetit der Tiere. Frühe Warnzeichen sind auch einseitiges Kauen, Kopfschütteln während des Fressens oder aus dem Maul fallendes Futter.
Blutdruckmessung bei Katzen: Warum sie Leben retten kann
Bluthochdruck bleibt bei Katzen häufig lange unbemerkt.
Mögliche Folgen sind:
- Netzhautablösung
- Erblindung
- Schlaganfälle
- Herzschäden
- Nierenschäden
Besonders Katzen mit Nierenerkrankungen oder Hyperthyreose haben ein erhöhtes Risiko.
Deshalb empfehlen aktuelle Leitlinien regelmäßige Blutdruckmessungen bei Katzen ab dem Seniorenalter [2]. Wenn bei älteren regelmäßig alle 6 Monate der Blutdruck kontrolliert finden sind keine Katzen, die durch Bluthochdruck ihr Augenlicht verlieren. Die Wichtigkeit dieser Vorsorgeuntersuchung kann daher nicht stark genug hervorgehoben werden!
Indirekte Ophthalmoskopie: Der Blick auf die Netzhaut
Die indirekte Ophthalmoskopie ermöglicht die Untersuchung des Augenhintergrunds.
Diese Untersuchung kann frühzeitig sichtbar machen:
- Netzhautblutungen
- Gefäßveränderungen
- Netzhautablösungen
- Hinweise auf Bluthochdruck
Gerade weil viele Katzen mit Bluthochdruck zunächst keine Symptome zeigen, liefert die Untersuchung wichtige zusätzliche Informationen.
Blutuntersuchung bei Katzen
Ab einem Alter von etwa sieben Jahren empfehlen die aktuellen Katzenleitlinien regelmäßige Blutuntersuchungen als Bestandteil der Gesundheitsvorsorge [2].
Der besondere Vorteil einer Blutuntersuchung besteht darin, dass viele Erkrankungen bereits erkannt werden können, bevor die Katze krank wirkt. Katzen kompensieren gesundheitliche Probleme außergewöhnlich gut. Oft bemerken Halter erste Symptome erst dann, wenn bereits ein erheblicher Teil der Organfunktion verloren gegangen ist.
Eine Blutuntersuchung ermöglicht es, versteckte Veränderungen frühzeitig zu erkennen und einzugreifen, bevor dauerhafte Schäden entstehen.
Viele Katzen werden erst vorgestellt, wenn Symptome wie Gewichtsverlust, vermehrtes Trinken, Erbrechen oder Appetitveränderungen auftreten.
In diesem Stadium bestehen häufig bereits:
- fortgeschrittene Nierenschäden
- ausgeprägte Schilddrüsenveränderungen
- Herzbelastungen
- Muskelabbau
- Bluthochdruckfolgen
Die Vorsorgeuntersuchung verfolgt deshalb ein anderes Ziel: Erkrankungen sollen entdeckt werden, bevor die Katze leidet.
Chronische Nierenerkrankung (CNE)
Die chronische Nierenerkrankung gehört zu den häufigsten Todesursachen älterer Katzen. Studien zeigen, dass bis zu 30–40 % der Katzen über zehn Jahren betroffen sein können [4,5].
Besonders problematisch ist, dass die Nieren eine enorme Reservekapazität besitzen. Klinische Symptome treten häufig erst auf, wenn bereits ein großer Teil des funktionsfähigen Nierengewebes verloren gegangen ist.
Durch moderne Blutparameter wie Kreatinin, SDMA und Harnstoff kann eine Nierenerkrankung häufig deutlich früher erkannt werden als noch vor wenigen Jahren [6].
Der Vorteil für Ihre Katze:
Wird eine chronische Nierenerkrankung früh erkannt, können gezielte Maßnahmen das Fortschreiten erheblich verlangsamen:
- spezielle Nierendiäten
- Blutdruckkontrolle
- Behandlung von Proteinverlusten
- Optimierung der Flüssigkeitsaufnahme
Studien zeigen, dass Katzen mit früh diagnostizierter Nierenerkrankung und konsequenter Therapie häufig deutlich länger leben und eine bessere Lebensqualität aufweisen als unbehandelte Tiere [7].
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Die Hyperthyreose ist die häufigste hormonelle Erkrankung älterer Katzen und betrifft etwa jede zehnte Katze über zehn Jahre [8].
Die Schilddrüse produziert dabei zu viele Hormone, wodurch der Stoffwechsel dauerhaft auf Hochtouren läuft.
Typische Folgen sind:
- Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- Muskelabbau
- erhöhter Blutdruck
- Herzvergrößerung
- Herzrhythmusstörungen
Viele Katzenhalter freuen sich zunächst sogar darüber, dass ihre ältere Katze „noch so aktiv“ wirkt. Tatsächlich kann genau diese gesteigerte Aktivität ein frühes Krankheitszeichen sein.Durch die Bestimmung des Gesamt-T4-Wertes kann die Erkrankung häufig bereits erkannt werden, bevor schwere Herz- oder Gefäßschäden entstehen.
Der Vorteil für Ihre Katze:
Eine frühzeitige Behandlung schützt:
- Herz
- Nieren
- Augen
- Gehirn
vor langfristigen Schäden durch die Hormonüberproduktion [2].
Diabetes mellitus
Auch Diabetes entwickelt sich häufig schleichend. Bereits Jahre vor der eigentlichen Erkrankung können Übergewicht und beginnende Stoffwechselstörungen bestehen.
Blutuntersuchungen ermöglichen die Erkennung von:
- erhöhten Blutzuckerwerten
- Veränderungen im Fruktosamin
- Begleiterkrankungen
Je früher Diabetes erkannt wird, desto größer ist die Chance auf eine erfolgreiche Einstellung.
Besonders bemerkenswert: Katzen gehören zu den wenigen Tierarten, bei denen unter optimaler Therapie sogar eine sogenannte Remission möglich ist (bis zu 80%). Das bedeutet, dass die Katze später möglicherweise kein Insulin mehr benötigt.
Lebererkrankungen
Viele Lebererkrankungen verlaufen lange Zeit symptomlos.
Erhöhte Leberwerte können Hinweise liefern auf:
- Entzündungen
- Gallenwegserkrankungen
- Leberverfettung
- Tumorerkrankungen
Gerade weil Katzen oft erst sehr spät Symptome entwickeln, bietet die Vorsorgeuntersuchung die Chance, Erkrankungen in einem deutlich früheren Stadium zu erkennen.
Entzündungen und versteckte Erkrankungen
Ein großes Blutbild liefert wichtige Informationen über:
- Entzündungsprozesse
- Infektionen
- Blutarmut (Anämie)
- Immunreaktionen
- bestimmte Tumorerkrankungen
Nicht jede Veränderung bedeutet automatisch eine schwere Erkrankung. Häufig liefern Blutwerte jedoch erste Hinweise, die weitere Diagnostik ermöglichen, bevor ein Tier klinisch auffällig wird.
Blutwerte als persönlicher Gesundheitskompass
Ein weiterer großer Vorteil regelmäßiger Blutuntersuchungen wird oft unterschätzt - Bereits die erste Untersuchung liefert sogenannte Ausgangswerte.
Jede Katze besitzt individuelle Normalwerte innerhalb des Referenzbereichs. Werden Blutwerte regelmäßig kontrolliert, können selbst kleine Veränderungen erkannt werden, lange bevor sie außerhalb des Normbereichs liegen. Beispielsweise kann ein Kreatininwert, der formal noch "normal" ist, im Vergleich zu früheren Untersuchungen bereits auf eine beginnende Nierenerkrankung hinweisen.
Dadurch wird Vorsorgemedizin deutlich präziser als eine einmalige Untersuchung bei bereits bestehender Erkrankung.
Warum wir Blutuntersuchungen bereits ab sieben Jahren empfehlen
Viele Katzenhalter sind überrascht, wenn ihre scheinbar gesunde Katze bei einer Vorsorgeuntersuchung erstmals Auffälligkeiten zeigt.
Tatsächlich werden in Screening-Programmen bei Katzen ab sieben Jahren bei etwa 20–40 % der klinisch unauffälligen Tiere Befunde entdeckt, die weitere Diagnostik oder Behandlung rechtfertigen [2]. Eine Blutuntersuchung ist daher keine Suche nach Problemen, sondern eine Investition in die zukünftige Gesundheit Ihrer Katze. Sie ermöglicht es, Krankheiten frühzeitig zu erkennen, Therapien rechtzeitig einzuleiten und Ihrem Tier möglichst viele gesunde Lebensjahre zu erhalten.
Warum gehört die Urinuntersuchung zur Vorsorge?
Eine Urinuntersuchung ergänzt die Blutuntersuchung optimal, leider gestaltet sie sich bei Katzen oft schwieriger als bei Hunden.
Sie liefert wichtige Informationen über:
- Nierenfunktion
- Harnwegsinfektionen
- Diabetes mellitus
- Proteinverlust über die Niere
Viele Erkrankungen lassen sich erst durch die Kombination aus Blut- und Urinuntersuchung sicher erkennen.
Ab welchem Alter gilt eine Katze als Senior?
Die aktuellen Katzenleitlinien betrachten Katzen ab etwa sieben Jahren als reifere Erwachsene. Ab etwa zehn bis elf Jahren beginnt die Seniorenphase.
Daher empfehlen Tierärzte bereits ab dem siebten Lebensjahr erweiterte Vorsorgeuntersuchungen.
Häufige Fragen zur Katzenvorsorge
Reicht eine Impfung als Gesundheitscheck aus?
Nein. Die eigentliche Vorsorge besteht aus der klinischen Untersuchung und gegebenenfalls weiterführender Diagnostik. Die Impfung ist nur ein Teil des Termins.
Meine Katze wirkt gesund. Braucht sie trotzdem Vorsorge?
Ja. Viele Erkrankungen verursachen erst spät sichtbare Symptome. Gerade deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wertvoll.
Wie oft sollte eine ältere Katze untersucht werden?
Ab einem Alter von etwa zehn Jahren empfehlen wir Gesundheitschecks alle sechs Monate.
Fazit: Vorsorge verlängert Lebensqualität und Lebenserwartung
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen gehören zu den wichtigsten Maßnahmen für ein langes und gesundes Katzenleben.
Besonders Blutdruckmessung, Augenhintergrunduntersuchung, Blut- und Urinanalysen ermöglichen die frühzeitige Erkennung häufiger Alterskrankheiten wie Niereninsuffizienz, Hyperthyreose oder Bluthochdruck.
Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung und eine dauerhaft hohe Lebensqualität.
Quellen
[1] Vogt AH et al. AAFP-AAHA Feline Life Stage Guidelines. J Am Anim Hosp Assoc. 2010. PMID: 20045841.
[2] Quimby J et al. 2021 AAHA/AAFP Feline Life Stage Guidelines. J Feline Med Surg. 2021. PMID: 33627003.
[3] Vogt AH et al. AAFP-AAHA Feline Life Stage Guidelines. J Feline Med Surg. 2010. PMID: 20123486.
[4] Marino CL et al. Prevalence and classification of chronic kidney disease in cats. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2014. PMID: 25457027.
[5] Lulich JP et al. Feline renal failure: questions, answers, questions. Compend Contin Educ Vet. 1992. PMID: 1581748.
[6] Hall JA et al. Serum concentrations of symmetric dimethylarginine and creatinine in cats with kidney disease. PLoS One. 2014. PMID: 25295605.
[7] Ross SJ et al. Clinical evaluation of dietary modification for treatment of spontaneous chronic kidney disease in cats. J Am Vet Med Assoc. 2006. PMID: 16817716.
[8] Peterson ME. Feline hyperthyroidism: an update. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2013. PMID: 23885982.



